JOEY DAVIS - “Bake a bread. Eat your job. Sleep in time”

Portrait

“Bake a bread. Eat your job. Sleep in time.”
In einer Kunstmetropole wie Graz kann man keine paar Schritte tun, ohne von Kunst in  jeglicher Form umgeben zu sein. Kaum ein Wochenende ohne eine Galerie-Eröffnung oder Ausstellung im großen Format vergeht. Richtet man seine Augen jedoch fort von der Mainstream-Kunst und blickt in den Untergrund der heimischen Kunstszene, entdeckt man einen jungen Grazer, der seit kurzem ebendort seinem Kunstschaffen nachgeht.

„Es machte KLICK und ich war da.“
Joey Davis, 1990 in Graz geboren, wurde von einem Schlagzeuger und einer Sängerin aufgezogen.

Er machte seine Ausbildung an der Handelsakademie und wurde nebenbei Sänger in einer Band, welcher er seit seinem 16. Lebensjahr angehört. Allerdings war die Handelsakademie nicht die richtige Schule für ihn, denn schon recht früh bemerkte er sein Desinteresse an der Thematik der Wirtschaft. Seine Gedanken trieben immer mehr in Richtung Kunst. Im Alter von 20 Jahren, nach Abschluss seiner schulischen Laufbahn und Matura, fing er selbst an zu malen.
„Ich habe vorher noch nie gemalt. Von einem Tag zum anderen fing ich damit an und konnte seitdem nicht mehr aufhören. Es machte Klick und ich war da.“
Seitdem malt Davis Unmengen an Bildern. Allein im letzten halben Jahr sind zehn großformatige Bilder und über 50 kleinere Objekte entstanden. Dabei arbeitet er meist an fünf Bildern gleichzeitig. An zwei großen und drei kleineren. Weil die Farben trocknen müssen und er keine Zeit verschwenden will. Außerdem entsteht immer noch mindestens ein kleineres Bild, wenn er Farbe von den größeren Objekten übrig hat. „Meine Wohnung ist voll von meiner eigenen Kunst, jede Wand ist voll mit meinen Bildern. Der Weg von A nach B in meiner Wohnung ist erschwert durch Papier und Farben, die mir im Weg liegen.“

Davis hat schon früh seinen eigenen Stil gefunden. Er malt im neoexpressionistischen Stil à la Jean-Michel Basquiat. Zu seinen Vorbildern gehören außerdem Salvador Dalí, Pablo Picasso, Franz Ringel und der junge kanadische Künstler Michael Shantz.
„Ich malte einige Bilder und besorgte mir dazwischen immer Biographien einzelner Künstler. Überhaupt hat mich die Persönlichkeit der Großmeister immer sehr interessiert. Ich konnte mich in jedem dieser Künstler ein klein wenig wiederfinden. Wie sie arbeiteten und lebten.  Ich hatte bereits einige Bilder gemalt, dann stieß ich auf Jean-Michel Basquiat. Es machte mir zunächst Angst, weil ich meine Bilder und meine Art zu malen in seinen Werken wiederfinden konnte. Die Ähnlichkeit war verblüffend. Seitdem ist er meine Inspiration. Ich kenne keinen anderen Künstler, der mir mit seinen Bildern so viel gegeben hat wie er. Ich könnte stundenlang seine Arbeiten betrachten.“
Auch seine Beziehung zu Jazz und Bebop gleicht der Basquiat's. Musiker wie Charlie Parker und Theolonious Monk, aber auch Jamiroquai und Astrud Gilberto laufen immer im Hintergrund, wenn Davis malt. Und das tut er vorwiegend in den Abendstunden.
„Manchmal kommt es mir so vor, als bräuchte es einen ganzen Tag bis mein kreativer Zenit erreicht ist. Am Morgen bin ich eher unkreativ und mir fehlt der Antrieb.“ Im Allgemeinen sind Davis' Bilder sehr farbenfroh. Er verwendet hauptsächlich Acryl, versucht aber immer andere Materialien mit einzubringen. Etwa Ölkreide, Filzstift, Malstifte, Sprühfarbe und Wasserfarben. Und er malt gerne Gesichter, Körper, abstrakte Anatomie und Kreaturen. Auch Worte und Symbole finden immer Ihren Weg in seine Bilder.
„Mein ganzes Leben schon sehe ich diverse Figuren und Dinge in den einfachsten Objekten. Etwa in Fließen oder Flecken in der Umgebung. Damals speicherte ich diese Bilder im Kopf ab. Heute male ich sie.“
Sein unendlicher Ideen-Reichtum treibt ihn wie besessen dazu, Dinge zu malen. Ein Grund, weshalb in so kurzer Zeit so viele Bilder entstanden sind.
„Ich sprühe ständig vor Ideen. Sie kommen wie Blitze daher geschossen und ich male meine Bilder bereits im Kopf, bevor ich einen Pinselstrich getätigt habe. Während ich male kommen immer neue Gedanken und Ideen dazu, die ich sofort einbringe. Meistens sind es Sätze oder Wörter, die sofort auf der Leinwand landen. Ich komme mit dem Malen und kaufen der Leinwände und Farben nicht mehr nach. Außerdem versuche ich nicht zu viel Zeit in ein Bild zu investieren. Meine Lieblingsbilder sind in sehr kurzer Zeit entstanden. Die Bilder an denen ich Wochen gearbeitet habe, stehen bei mir hinter der Tür.“

Zudem interessiert sich Joey Davis auch für das Medium Film. Er hat gerade die Dreharbeiten seines Erstlings Jours abgeschlossen.
„Jours war eigentlich als eine Art Dokumentation über mein Tun gedacht. Ich begann im Frühling 2011 mit den Dreharbeiten und filmte mich beim Malen und fabrizieren von Kunst. Ich filmte stetig und es kamen immer neue Geschichten und Ideen in den Film. Eine Szene im Film finde ich ganz besonders bemerkenswert. Es ist eine Szene, in der ich mich beim Essen filmte. Diese Mahlzeit war mitunter ein Grund, wieso ich drei Monate gesundheitliche Probleme hatte und viel Gewicht verlor. Ich finde es bis heute noch merkwürdig, dass ich genau dieses Mahl gefilmt hatte. Später beschäftigte ich mich mit der Street-Art Szene. Banksy und andere Street-Art Künstler hatten es mir angetan. Ich filmte Werke einiger Künstler in Graz und tauchte mehr und mehr in die Thematik ein. Glücklicherweise traf ich einen Grazer Street-Artist mit dem Namen Robin Good, welchen ich einen Tag lang bei seiner Tätigkeit filmte und interviewte." Zurzeit wird der Film gerade geschnitten und von dem jungen talentierten Film-Produzenten David Gesslbauer bearbeitet. Der Film wird Anfang 2012 zu sehen sein.
Joey Davis arbeitet gerade an einigen Gemälden, welche voraussichtlich im Sommer 2012 in Zürich zu sehen sein werden. Auch für seine Heimatstadt Graz malt er gerade ein Bild.
„#Davis is ST art.“

www.da-vis.daportfolio.com
davis@unterderbruecke.de


* Das ganze Portrait inkl. Bildband von Joey Davis findet Ihr in der Jänner 2012 Ausgabe!

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