Gelegenheitsgiger - von Wolfgang Schatz
Es liegt in der Natur der Sache, dass Gelegenheitsgiger – im Gegensatz zu Musikern, die sind ja professionell - die notwendige Lockerheit für den Gig durch Rituale erreichen wollen, die manchmal von zweifelhaftem Erfolg gekrönt sind. Die Bandbreite der Rituale ist nicht abgrenzbar und die Richtung unterliegt sehr starken Schwankungen. Jeder Gelegenheitsgiger, geprüft durch Auftritte in diversen Spelunken, auf freundschaftlichen Festen und kleineren bis mittleren Bühnen, kann ein Lied davon singen („Alter, wenn du nicht singst unterschreibe ich das“).
Da die Gage meist aus freier Verpflegung und etwas Benzingeld besteht, ist der Spagat, zwischen einerseits den Spaß nicht aus den Augen zu verlieren und dennoch eine passable Performance abzuliefern, zu bewältigen. Nenn es „Feiern auf hohem Niveau“. Ob es Hopfen-, Getreide- und Obsterzeugnisse oder landwirtschaftliche Produkte einheimischer Jungbauern sind, orientalische Genüsse oder südamerikanische Straßenware, homöopathische Tropfen oder Experimente aus dem Chemiebaukasten. Die Aufgabe muss erledigt werden. Die unzureichende Vorbereitung und Logistik mancher Veranstalter ist dabei auch nicht hilfreich.
Dass es nicht immer gelingt, beweist eine vom Kollegen angedrohte Watsche auf offener Bühne, weil man panierterweise in der falschen Tonart unterwegs ist. Wie auch immer, als Gelegenheitsgiger hat man den persönlichen Unterhaltungswert nicht zu vergessen, auch wenn man zuweilen die Geduld des Publikums strapaziert („obavondaBühne!“) und damit den professionellen Nörgelneidern einen prächtigen Vorwand liefert, auch weiterhin ihren alten Senf unter die Leute bringen zu können. Am besten begegnet man diesen Umständen mit der Geduld des gelernten Autostoppers. Wie sagten schon Karajan, „die Hunde bellen und die Karawane zieht weiter“, oder Reinhard Mey, „und ich tue was ein Baum tun würde, wenn ein Schwein sich an ihm kratzt“.
Ein Patentrezept für eine befriedigende Lösung dieser Angelegenheit gibt es nicht. Ein Ansatz zur Lösung könnte die Meinung eines Freundes und Mitstreiters sein, der da meinte, „egal wie mia banond san, mia miasn olle gleich banonda sein“. Persönlich bevorzuge ich die Methode des bewussten Becherns, wobei man aber bei temporärer Bewusstseinstörung wiederum in eine Problemzone rutscht.
Also breche ich eine Lanze für die brotlose Zunft der Gelegenheitsgiger. Einerseits weil ich so einer bin, andererseits weil wir für unseren Spaß selber sorgen. Im Gegensatz zu Entertainment-Konsumenten, denen fad ist, wenn keiner was macht, ist uns fad, weil wir das so wollen. Wir sind kein Verein, sondern verdichten uns zu losen Haufen, denen das bloße Konsumieren zu wenig ist. Konsequenterweise muss ich von Gelegenheitsgigern als Sprecher abgelehnt werden, denn wir brauchen keinen Sprecher. Wir sprechen für uns selbst, wenn wir sprechen und können jederzeit alles abstreiten. Wir rechnen immer mit dem Sieg.
Eines muss ich noch loswerden, Keith Richards und Franz Klammer dürfen alles, das haben sie sich verdient (hat zwar nichts mit Gelegenheitsgiger zu tun, stimmt aber trotzdem).







