L.A. - Das letzte Hemd für Gibson & Gretsch
Die Grazer Rocker Beggars Street Inn kehrten vor kurzem mit ihrem in L.A. produzierten neuen Album Down and Out in Hollywood aus den USA zurück. Kongenial mit dabei: Die Jungs von OchoResotto.
Klappe, die Erste.
Los Angeles, Februar, schäbiges Motel. Eine entfesselt zornige Schönheit jagt ihren Lover unter wüsten Flüchen zum Teufel. Eine Szene, so alt wie das Leben selbst. Während sie noch seine Sachen vom Balkon schleudert, reiten seine Kumpels im roten Cabrio ein. Ein hochprozentiger Trip in die Wüste beginnt. bright blue girl. Das Mädchen hieß Manuela und war Schauspielerin. Wie beinahe jede Frau in L.A.
Graz, November, Proberaum. Teppichgespickte Wände, abgewetzte Möbel, Türme von Verstärkern. Robert Plant kreischt aus den Boxen. Die vier charmanten Jungs der Beggars Street Inn sitzen um mein Diktiergerät wie um ein Lagerfeuer. Die Rauchschwaden allerdings kommen von woanders. Es geht gerade um den prozentuellen Funk-Gehalt der Musik von ABBA. Man einigt sich auf null. Das Thema ist musikalische Vorbilder und Helden der Jugendzeit. Wie wir dabei auf ABBA gestoßen sind, wird an dieser Stelle nicht verraten. Die Beatles, Chuck Berry, Elvis, Smokie, Johnny Cash und andere werden diskutiert. Mittlerweile hören sich die Burschen quer durch alle Genres. Bei den Beggars Street Inn vereint sie die Liebe zum Rock'n Roll.
Bert Katzianer, der lange in den USA gelebt hat, hat die Band vor Jahren in Boston gegründet. In Graz hat er sie mit lokalen Musikern neu aufgezogen. Nach den Alben money for the dead und probably the best record in the world, haben sie ihrer Diskographie mit down and out in hollywood nun ein weiteres hinzugefügt. Rock'n Roll made in the USA. In der Stadt der Engel gereift.
Wer den romantischen Rock'n Roll-Traum träumt, ist bei den Beggars bestimmt gut aufgehoben. Sowohl als Musiker, als auch als Fan. Diesen Traum in die Realität umzusetzen, das Ganze finanziell selbst zu erhalten, ist ungleich schwieriger. "Mit einer Rockband ein Roadmovie in Los Angeles zu drehen ist eigentlich purer Luxus", bringt es Drummer Helfried Grygar auf den Punkt. Ohne Kohle für eine gute Produktion wird die fleißigste Band irgendwann an ihre Grenzen stoßen. Also sparen die Beggars beim eigenen Logis, kratzen zusammen was geht und leisten sich ein Kult- Studio. Dort, wo angeblich nachts ein Geist durch die Hallen schleicht und Fusel-Reste kippt, haben sich unzählige Kapazunder verewigt. Johnny Cash, The Doors, Guns'n Roses. Viele Musiker haben im Village Recorder gerockt, gebluest und gejodelt. In den Zwanzigern als Freimaurer-Tempel erbaut, ist das Studio seit einem halben Jahrhundert ein Ort der Huldigung an die Musik. Da gibt man gern noch das letzte Hemd für feinste Instrumente der Marke Gibson, Gretsch und Fender. Mit dem Ergebnis, nun ein Produkt zu haben, das man nicht an jeder Ecke bekommt.
Und die Amis? Die fahren voll darauf ab. Vor allem der Chef des legendären Roxy am Sunset Boulevard ebenso. Er holte die Jungs für einen Gig in seinen Club. Der Rest ist Geschichte. Eine Geschichte, die die Band bestimmt gerne erzählt. ...
Das ganze Portrait von BEGGARS STREET INN findet Ihr in der Jänner 2012 Ausgabe!
Text: Olivia Fürnschuß
Fotos: Ocho Resotto









