Liebe Doris, seit wann/ warum nennst du dich Mieze Medusa?
Mieze Medusa nenn ich mich seit ziemlich genau 10 Jahren. Ich hab ja mit Rap begonnen oder mit Lyrik zu Beats, so richtig Rap ist es erst ein bisschen später geworden. Als Rapperin brauchst du aber einen MC Name und Mieze Medusa erhob sich aus dem Staub oder so. Mieze als Anklang an MC, ist ja eine ähnliche Lautung. Medusa, weil ich etwas nicht Rosarotes als Ergänzung gesucht hab und weniger rosarot als die Medusa geht ja fast nicht mehr. Und natürlich: Stabreim. Und sowieso: Hélène Cixous, "Das Lachen der Medusa". Schreibhemmung und Überwindung selbiger aus feministischer Sicht. Hat mich damals zum Nachdenken gebracht. Zum Schreiben hat mich der HipHop gebracht. Und so gings los.
Wo war dein letzter Auftritt?
MS Helene im Rahmen des Linzer Frühlings. Eine Bootsfahrt cum Lesung bei Sonnenuntergang und Richtung VOEST Hafen. Toll!
Was ist deine Lieblingslocation oder slamst du überall gleich gern?
Die richtige Antwort ist natürlich: Jeden Abend werden alle Karten neu gemischt. Aber man merkt einem Slam das Herzblut des Slam-Masters an. Und seine Geschichte. Es gibt Slams, bei denen das Publikum seit Jahren erzogen wurde, also weiß, was ein Slamtext ist, schon einiges gehört hat, aber immer noch hungrig ist. Es hängt ein bisschen davon ab, ob ich grad rumreise oder daheim bin. In Österreich bin ich ja oft Slammasterin (textstrom, Wien; Minoriten Slam, Graz und allerlei Gastspiele). Die Rollen sind da anders. Da bin ich verantwortlich dafür, dass die Bühne für alle die auftreten, gut und respektvoll und freudebringend ist. Das nehm ich sehr ernst, das ist mir sehr wichtig. Als Slammerin bin ich ein bisschen Genießerin. Ich mag gern gut eingeführte Slams in Bars, ich mag gern Slams in niederschwelligen Locations, da hat das Publikum nicht so hochkulturell verschränkte Hände und nicht so eine: "Na, das schau ich mir an, was das sein soll"-Attitüde. Andererseits ist es toll, wenn eine Theaterbühne einen Rahmen gibt. Es hängt sehr von den anderen SlammerInnen ab, man macht einen Slam-Abend gemeinsam mit den anderen und genießt den Applaus gemeinsam mit den anderen, egal ob man gewinnt oder schon in der ersten Runde rausfällt. Das klappt gut, es gibt sehr viele nette SlammerInnen :-)
Was rätst du jemandem, der das erste Mal die Bühne betritt?
Genieß es. Versuch was zu lernen. Den anderen zuzuhören und das Publikum zu spüren. Aber such nicht nach einfachen Performance-Strategien. Probier dich aus. Komm wieder.
Und dein nächstes großes Projekt?
Im Frühjahr 2012 erscheint mein neuer Roman bei Milena. Da ist grad noch ein wenig was zu tun. Danach hab ich auf jeden Fall wieder Lust auf die kleine Form: Slamtexte, Raps, Kurzprosa, Lyrik, Blödsinn.
Interview & Text: Andrea Stift









